Geschichte

Geschichte

Die Geschichte Assuans reicht bis in die vordynastische Naqada-Kultur, mit Siedlungsspuren um 3500 v. Chr., und frühdynastische Periode der altägyptischen Pharaonen zurück. Schon zur Zeit der 1. Dynastie bestand auf der östlichen Seite der Insel Abu oder Yebu, dem südöstlichen Teil der heutigen Insel Elephantine, eine Festung aus Lehmziegeln mit angeschlossener Siedlung für die Garnison. Ab bedeutete auf ägyptisch „Elefant“,die Siedlung hieß in altägyptischer Zeit Swnw (Sunu; Swenu). Sie stellte über einen langen Zeitraum die südliche Grenze Ägyptens und Tor nach Schwarzafrika dar, über die der Handel mit Nubien abgewickelt wurde. Nach Ägypten eingeführt wurden vor allem Gold, Elfenbein, Edelhölzer, Kräuter und Pfauenfedern, aber auch Menschen, die als Sklaven oder Soldaten zum Einsatz kamen.

Eine wichtige Bedeutung hatte Assuan im Altertum auch als Lieferant von Granit und Rosengranit, plutonischem Gestein, das man in den nahen Steinbrüchen abbaute und nach Norden verschiffte. Obelisken, Statuen und Monolithschreine wurden aus dem Fels geschlagen und bereits vorgefertigt ausgeliefert. Die Reste der Steinbrüche stehen heute als archäologische Stätten unter dem Schutz der Regierung Ägyptens, darunter auch das Freilichtmuseum mit dem unvollendeten Obelisken im südlichen Teil des Stadtgebiets von Assuan. Die Steinbrüche erstreckten sich südlich bis zur Insel Philae. Weiterhin stehen die Steinbrüche seit 1979 auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO.Auf Grund der strategischen Lage wurde Swenu die Hauptstadt des ersten oberägyptischen Gaues Ta-seti, dem „Gau des (nubischen) Bogenlandes“. Als Gaugötter wurden Chnum, Satet, Anuket, Isis, Nephthys, Horus, Osiris und Seth verehrt. Ihnen wurden viele der Tempel in Assuan und der näheren Umgebung geweiht, von denen noch heute einige zu besichtigen sind, wie die Tempel von Philae. Aber auch in Assuan selbst sind einige Bauten aus altägyptischer Zeit erhalten, unter anderem die Nilometer auf Elephantine. Erste Ansiedlungshinweise vom Ostufer des Nils stammen aus der Zeit der 20. Dynastie, eine Ausbreitung auf das heutige Stadtgebiet erfolgte während der 30. Dynastie. Unter den nachfolgenden Ptolemäern verlor die Insel Elephantine ihre Bedeutung als Siedlungsort.Ab der Zeit der griechischen Ptolemäer wurde der Ort Syène genannt. Die ägyptische Grenze verlief nun weiter südlich hinter Philae. Bekannt ist Syène aus dieser Epoche als Messpunkt für die Bestimmung des Erdumfangs durch den Leiter der Bibliothek von Alexandria Eratosthenes. In der griechisch-römischen Zeit errichtete man auf Elephantine zwei neue Tempel. Ebenso stammen die meisten Tempel der Insel Philae südlich der Stadt aus diesem Zeitabschnitt. Der dort beheimatete Isis-Kult verwehrte sich bis 535/37 der von den byzantinischen Herrschern geforderten Christianisierung. Schon 200 Jahre zuvor, in den frühen 330er Jahren,[9] wurde Syène zu

einem Bischofssitz und widerstand als solcher in Ägypten mit am längsten der Islamisierung, die mit der muslimischen Eroberung der Stadt 642 durch Abd Allah ibn Sahd begann. Im Hochmittelalter kam es durch andauernde Kämpfe mit den Blemmyern (Bedscha) und einer Pestepidemie zu einem Niedergang der Stadt, der erst mit der osmanischen Eroberung Ägyptens ein Ende fand.Im Jahr 1902 ging der alte, von den Engländern erbaute, zwei Kilometer lange Assuan-Staudamm sechs Kilometer südlich der Stadt im Bereich des 1. Katarakts in Betrieb. 13 Kilometer südlich der Stadt wurde 1971 der neue Assuanhochdamm mit 3,6 Kilometer Länge und 111 Meter Höhe eingeweiht; er staut den 400 Kilometer langen Nasser-See. Im Jahr 1964 startete die UNESCO die größte Rettungskampagne in der Geschichte der Archäologie. Sowohl Tempel wie Abu Simbel wie auch rund 35 Dörfer wurden versetzt. Fast 150.000 Menschen wurden umgesiedelt, die meisten auf ägyptischer Seite nach Kom Ombo etwa 60 Kilometer nördlich von Assuan, auf sudanesischer Seite nach New Halfa in der Butana-Region.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Rechtes Nilufer südlich der Stadt; Bildmitte: die kleine Essa-Insel, dahinter rechts die Südspitze von Elephantine

Nur wenige Monumente der antiken Stadt sind im modernen Stadtbild erhalten geblieben. Dazu zählen ein Isis geweihter Tempel aus der Zeit Ptolemaios III. Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. im südlichen Teil der Stadt, in der Nähe des Fatimidischen Friedhofs und Reste eines Tempels aus der Zeit des Domitian. Seit 2001 führen das Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde Kairo und das Supreme Council of Antiquities Egypt in der modernen Stadt systematische Rettungsgrabungen durch.Die früheste Siedlung Assuans wurde unter dem Namen Abu Anfang des 3. Jahrtausends am Südende der Insel Elephantine als Festung aus Lehmziegeln gegründet. Zu diesem ausgedehnten Ausgrabungsbereich gehört auch der Tempel des widderköpfigen Gottes Chnum, der von hier aus als Fruchtbarkeitsgott und Schutzgott der Insel die Wassermassen der jährlichen Nilfluten kontrollierte.Auf der linken Seite des Stroms auf dem Qubbet el-Hawa liegen auf Höhe der Nordspitze der Insel die antiken Gräber von Elephantine; das Simeonskloster aus dem 6. bis 7. Jahrhundert weiter oben am vegetationslosen Berghang ist von der Westseite der Elephantine-Insel mit dem Boot zu erreichen. Auf der bis zu 115 Meter breiten Kitchener-Insel befindet sich der Botanische Garten der Stadt Assuan.Die Insel Agilika, auf dem der 1979 in 44.000 Einzelteile zerlegte und wiederaufgebaute Isis-Tempel der überfluteten Insel Philae steht, liegt südlich im Nil, zwischen dem alten und neuen Assuan-Damm. Nicht weit entfernt, am Westufer des Sees, steht der ebenfalls transferierte Kalabsha-Tempel.Laut Aussage des Ägyptologen Zahi Hawass Anfang Juli 2011 haben Archäologen bei Assuan eine auf 3200 v. Chr. geschätzte Felszeichnung freigelegt, die eine königliche Zeremonie zeigt. Es handelt sich um die erste vollständig erhaltene Darstellung aus der Zeit vor der 1. Dynastie. Die Abbildung zeigt Jagd- und Kampfszenen sowie Feiern an den Ufern des Nils.

Museen

Assuan-Museum mit Nilometer

Das kleine Assuan-Museum in der im Kolonialstil errichteten ehemaligen Villa von William Willcocks, dem Planer des 1902 eingeweihten ersten Assuan-Staudamms, befindet sich im Südosten der Insel Elephantine. Es eröffnete 1912 und zeigt Artefakte, die in der Zeit des Baus des alten Damms vor dem steigenden Wasser des Stausees gerettet wurden. In den 1990er Jahren wurde es um Fundstücke auf Elephantine selbst erweitert. Zu sehen sind Waffen, Keramik, verschiedene Utensilien des alltäglichen und religiösen Lebens im alten Abu (Yebu), altägyptische Mumien und Pläne der Stadtentwicklung Assuans im Laufe der Jahrhunderte.Von besonderem Interesse ist die Mumie des heiligen Widders in ihrem vergoldeten Sarkophag, die in einem Grab hinter dem Museumsgebäude gefunden wurde.Unterhalb des Museumsgebäudes liegt das 1870 wiederentdeckte Nilometer von Abu. Der über 90 Stufen zu erreichende Nilstandsmesser wurde schon von den Geografen Strabon (63 v. Chr. – 23 n. Chr.) erwähnt.[13] Neben dem Museum erstreckt sich ein Garten, durch den man zu den archäologischen Ausgrabungsstätten der Ruinen von Abu gelangt.

Nubisches Museum

Das im November 1997 eröffnete Museum am südlichen Stadtrand von Assuan zeigt die Kunst und Geschichte Nubiens von prähistorischen Zeiten bis zur Gegenwart. Im Hauptausstellungsraum steht ein detailliertes Modell des Niltals mit den Standorten der nubischen Tempel, die im Zuge der Rettung vor der Überschwemmung durch den Nassersee, dem Stausee des Assuan-Hochdamms, versetzt wurden. Ausgestellt sind 1200 Exponate aus den verschiedenen Etappen der nubischen Geschichte, angefangen von mehr als 6000 Jahre alte Keramikschalen über Fundstücke aus ägyptischer und kuschitischer Herrschaft bis zu einem Dokumationszentrum der nubischen Kultur der Gegenwart. Sie stammen unter anderem aus Fundorten wie Qustul, Ballana, Faras und Qasr Ibrim. Daneben besteht im Museum eine ethnologische Abteilung mit einem kleinen Modelldorf, die sich der heutigen Kultur der wegen des Stausees umgesiedelten Nubier widmet. Südöstlich des Museums schließt sich ein Ausläufer der antiken Rosengranit-Steinbrüche an.

Freilichtmuseum am unvollendeten Obelisken

Etwa 600 Meter südöstlich des Nubischen Museums liegt inmitten eines antiken Steinbruchs der nur unvollständig aus dem Gestein geschlagene unvollendete Obelisk. Zu seiner Entstehungszeit ist nichts bekannt. Er wäre bei Fertigstellung mit 41,75 Metern Höhe der größte Obelisk des Altertums gewesen. Risse im Material sollen zur Einstellung der Arbeiten geführt haben. Das Freilichtmuseum um den unvollendeten Obelisken gibt Einblicke in die Technik der Steinbearbeitung der alten Ägypter.[16] Ein zweiter Steinbruch befindet sich 1,5 Kilometer weiter im Süden.

Bauwerke

Die koptisch-orthodoxe Hauptkirche der Stadt Assuan ist dem Erzengel Michael geweiht. Sie steht am Südende der Uferpromenade Corniche el-Nil östlich des Ferial-Gartens, einer Parkanlage am Nil gegenüber der Südspitze von Elephantine. Die in traditionellem Stil errichtete Kathedrale wurde am 19. März 2006 von Papst Shenouda III. von Alexandrien geweiht. Sie ist bei freiem Eintritt täglich zu besichtigen.

Fatimidischer Friedhof

Zwischen dem Nubischen Museum und dem Steinbruch mit dem unvollendeten Obelisken erstreckt sich der fatimidische Friedhof. Auf ihm stehen einige gut erhaltene kleine Gebäude aus Lehmziegeln mit Kuppeldächern. Viele der eigentlichen Grabstätten sind jedoch in keinem guten Zustand und eine Reihe von Marmorinschriften sind heute in Kairo ausgestellt. Die ältesten Mausoleumsbauten stammen aus dem 9. Jahrhundert und sind von großer historischer Bedeutung. Der Friedhof ist bis in die Gegenwart belegt.

Quelle: Wikipedia