Geschichte

Doppeltempel von Kom Ombo

Der Doppeltempel von Kom Ombo entstand in der ptolemäischen Epoche Ägyptens 304 bis 31 v. Chr. Kom Ombo, das damalige Omboi (auch Ombos), war zu dieser Zeit neben Elephantine Verwaltungszentrum des ersten oberägyptischen Gaues Ta-seti. Der heute noch zu besichtigende Doppeltempel diente der Anbetung der beiden Gottheiten Sobek, dem Krokodilgott, und dem falkenköpfigen Haroeris.

Tempelruine 1845/49 und in den 1870er Jahren

Die Ruinen des Tempels von Kom Ombo waren lange Zeit bis über die Hälfte durch Sand verschüttet. Sie wurden erst 1893 unter Jacques de Morgan freigelegt und restauriert. Vor dem Tempel stand bis ins 19. Jahrhundert ein großes Mammisi („Geburtshaus“) des Ptolemaios VIII. Euergetes II. Bei einem Hochwasser riss der Nil das Gebäude einschließlich dem westlichen Teil der Umfassungsmauer zum größten Teil mit sich. Die Tatsache, dass die Anlage 20 Meter über dem normalen Niveau des Nils errichtet wurde, lässt noch heute das Ausmaß der Katastrophe erahnen.In der jüngeren Geschichte Ägyptens entwickelte sich der Standort der Tempelanlage zu einem Anziehungspunkt für den Tourismus. Die Besichtigung des Tempels von Kom Ombo ist fester Bestandteil der Flussreisen auf dem Nil zwischen dem 150 Kilometer nördlichen Luxor und dem 40 Kilometer südlich gelegenen Assuan. Die Anlegestelle der auf dem Nil verkehrenden Kreuzfahrtschiffe liegt direkt neben dem Doppeltempel, etwa 70 Meter westlich der Tempelanlage.

Der Tempel von Kom Ombo am östlichen Nilufer stellt eine Besonderheit dar. Im Gegensatz zu den meisten anderen altägyptischen Sakralbauten wurden in ihm zwei Gottheiten getrennt voneinander verehrt. Die vom doppelten Haupteingang aus gesehen südöstliche, dem Nil abgewandte Seite war Sobek, dem krokodilköpfigen Wasser- und Fruchtbarkeitsgott, später auch Schöpfergott, geweiht. Im linken, nordwestlichen Halbtempel galt die Verehrung dem Haroeris, dem Licht- und Himmelsgott, aber auch Kriegsgott. Der falkenköpfige Haroeris war eine Erscheinungsform des Gottes Horus, entsprechend auch „Horus, der Große“ oder „Horus, der Alte“ genannt. Nach den Gottheiten wurde der Tempel gleichzeitig als „Haus des Krokodil“ wie auch als „Falkenschloss“ bezeichnet.Der Gott Haroeris bildete in Kom Ombo mit Ta-senet-nofret und Pa-neb-tauieine eigene Triade, ebenso der Gott Sobek mit Hathor und Chons. Vermutlich wurde der heute noch sichtbare Bau unter Ptolemaios VI. Philometor begonnen, errichtet auf den Resten von wesentlich kleineren Vorgängerbauten der 12., 18. und 19. Dynastie des Neuen Reiches. Die Umfassungsmauer umgab den Tempel auf einer Breite von 51 und einer Länge von 96 Metern. An der Dekoration arbeitete man bis ins 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. weiter, stellte sie jedoch nie gänzlich fertig. So sind im hinteren Bereich des Tempelbaus, in den dortigen Kapellen, noch teilweise nur vorgearbeitete Reliefs zu erkennen. Andere Teile des Tempels wurden in späterer Zeit zerstört, so der westliche Teil des Zugangs-Pylons mit angrenzender Umfassungsmauer und des daran angeschlossenen Mammisi. Sie wurden Opfer des Nilhochwassers.

Auf dem verbliebenen südöstlichen Turm des großen Pylons ist der römische Kaiser Domitian dargestellt, der gemeinsam mit anderen Göttern der Triade Sobek, Hathor und Chons huldigt, begleitet von einem 52 Zeilen umfassenden Text in Hieroglyphenschrift. Hinter den zwei zentralen Eingängen in der Umfassungsmauer, einem Doppelportal zum Tempelbereich, befand sich ein Hof mit sechzehn ihn flankierenden Säulen. Von diesen Säulen sind nur noch deren untere Teile mit Basis erhalten. Sie sind reich mit Reliefs und Hieroglyphen verziert, in denen sich Spuren der Original-Bemalung erhalten haben. Auf den Säulen wurde Kaiser Tiberius abgebildet, bezeichnet in den nebenstehenden, in den Stein geschlagenen Schriften, wie er den Göttern Gaben darbringt. In der Mitte des Hofes sind noch Reste des Altars vorhanden, auf den während der Prozessionen die heilige Barke abgestellt wurde.

An der Nordostseite des Hofes schließt sich die mit Basreliefs dekorierte Außenmauer des Tempelgebäudes an, in die fünf Säulen integriert sind, von denen nur noch die drei mittleren die volle Höhe von 12 Metern bis zum Architrav aufweisen. Sie bildeten mit den dahinter befindlichen zwei weiteren Säulenreihen zu je fünf gleich hohen Säulen die Stützen für das Dach des Pronaos oder der ersten Säulenhalle. Seitlich der Türöffnungen zum Pronaos geben die dortigen Reliefs Reinigungszeremonien wider. Die glockenförmigen Kompositkapitelle der Säulen sind in Form von Lotosblüten, Papyrus oder Palmen ausgebildet. Die Säulenschäfte wie auch die Reliefs der Halle zeigen Hieroglyphen und Ehrerbietungsszenen ptolemäischer Pharaonen, unter ihnen Kleopatra VI., gegenüber den Göttern. An der Decke der Halle finden sich Malereien mit astronomischen Szenen und Geiern, abwechselnd mit einem durch die Krone Oberägyptens dargestellten Geierkopf und einem mit der Krone Unterägyptens versehenen Schlangenkopf als Symbole für die jeweiligen Landesgöttinnen Nechbet und Wadjet.

Der weitere Weg ins Innere zur zweiten Säulenhalle, auch „Saal der Opfergaben“, führt wie schon der Zugang vom Hof durch zwei auf das Doppelheiligtum hinweisende parallele Zugänge. Die zehn in zwei Reihen angeordneten Säulen der zweiten Halle sind fast um die Hälfte niedriger als die des Pronaos. Dieser kleinere Säulensaal zeigt ähnliche Szenen in seinen Wandreliefs wie die davor befindliche Halle, nur mit der Darstellung weiterer Pharaonen, so Ptolemaios VIII. Euergetes II. mit seiner Frau Kleopatra III. Euergetis und Ptolemaios XII. Neos Dionysos. Diesem Raum folgen drei quer angelegte Vorsäle, erbaut durch den dort in den Reliefs erscheinenden Pharao Ptolemaios VI. Philometor, dahinter die zwei Sanktuarien der Götter Haroeris und Sobek mit schwarzen Granitsockeln. Von den durch eine Trennwand abgeteilten Heiligtümern der beiden Gottheiten ist lediglich ein Dekorationsfragment und eine Widmungsinschrift über der linken Tür erhalten.Das Innere des Tempels umgaben zwei Korridore, einer ausgehend vom Hof mit den sechzehn Säulen entlang der Innenseite der Umfassungsmauer, der zweite daran anschließend zum Zentrum des Tempels mit Zugang vom Pronaos. Auf der Nordostseite hinter den Heiligtümern, deren geschlossene Rückwand heute nicht mehr existiert, schließen sich sieben Räume unbekannter Bestimmung an. Vom mittleren führt eine Treppe nach oben auf eine Terrasse. Die Räume sind sämtlich mit Reliefs mit Götter- und Pharaonendarstellungen verziert, die zum Teil jedoch unvollendet geblieben sind. Als Besonderheit zeigt ein Relief des inneren Korridors an der Innenseite der zweiten Tempelmauer einige chirurgische Instrumente, wie Bistouri, Scheren, Operationszangen und ähnliches. Insgesamt zählen die Reliefs und Dekorationselemente der Kapitelle, Friese und Hohlkehlen des Doppeltempels von Kom Ombo zu den bedeutendsten Werken ptolemäischer Baukunst.

Quelle: Wikipedia