Geschichte

Edfu

Edfu ist eine ungefähr 128.000 Einwohner (Berechnung: 2010) zählende oberägyptische Großstadt am westlichen Nilufer, etwa 100 Kilometer nördlich von Assuan und 85 Kilometer südlich von Luxor. Seit 1969 verbindet eine Brücke im Norden der Stadt beide Seiten des Nils. Der Name Edfu leitet sich aus der altägyptischen Bezeichnung Djeba ab.Die Umgebung von Edfu ist von der Landwirtschaft geprägt, die Stadtbewohner leben jedoch im Wesentlichen vom alten Töpfereigewerbe. Daneben ist die Stadt ein Handelszentrum mit einigen Zuckerfabriken. Bekannt ist Edfu für die am westlichen Stadtrand stehende Ruine des sogenannten Horustempels. Das Bauwerk gilt als einer der am besten erhaltenen Tempel Ägyptens.

Geschichte

Der Ort Edfu war seit der 5. Dynastie des Alten Reiches Hauptstadt des zweiten oberägyptischen Gaues (Wetjes-Hor; „Horus-Thron-Gau“ oder „Falkengau“). Der Sage nach bestand Horus hier in Edfu einen seiner größten Kämpfe gegen Seth. Während des Mittleren Reiches war Hor-Behdeti der Gaugott des „Horus-Thron-Gaus“, in griechisch-römischer Zeit übernahm Behdeti diese Funktion.

Der Tempel des „Horus von Edfu“ wurde im Zeitraum von 237 bis 57 v. Chr. erbaut. In der griechischen Antike, der Zeit der Ptolemäer, hieß Edfu , benannt nach dem Gott Horus von Buto, der hier eine besondere Gast-Verehrung erfuhr. Im Tempel von Edfu wurden zwei Göttertriaden in die lokale Theologie eingebunden; einerseits Hor-Behdeti, Hathor von Dendara sowie Ihi und andererseits Isis, Harsomtus sowieHarsomtus-pa-chered. Horus trat in Edfu ergänzend in mehreren Gastrollen auf, so beispielsweise als „Der von Behdet“, Hor-heri-wadjef, Hor-pa-chered, Hor-Behdeti-em-cheperuef-en-Re, Hor-Behdeti-em-set-wenep Hor-Behdeti-Re-Min, Horus von Buto in Edfu (Apollon in Edfu), Harsiese im Falkengau und Harsiese in Edfu.Neben dem Tempel des Hor-Behdeti stehen noch ansehnliche Reste der antiken Stadt. Der Tempel von Edfu war lange Zeit bis zu den Kapitellen mit Sand überdeckt, was seinen guten Erhaltungszustand erklärt. An seinen Seitenrändern standen auf den Sandmassen noch im 19. Jahrhundert Häuser der einheimischen Fellachen. Fast einhundert der Gebäude wurden ab 1860 bei der Freilegung der Tempelanlagen unter Auguste Mariette abgerissen.In der jüngeren Geschichte Ägyptens entwickelte sich der Standort der Tempelanlage zu einem Anziehungspunkt für den Tourismus. Die Besichtigung des Tempels von Edfu ist fester Bestandteil der Flussreisen auf dem Nil zwischen dem nördlichen Luxor und dem südlich gelegenen Assuan. Die

Anlegestelle der auf dem Nil verkehrenden Kreuzfahrtschiffe liegt etwa 850 Meter östlich der Tempelanlage.

Baugeschichte des Tempels

Die Gründung des Tempels von Edfu, bezeichnet als Haus des Hor-Behdeti mit dem Beinamen Hwt-kn („Haus des Starken“), erfolgte im zehnten Regierungsjahr des Pharao Ptolemaios III. Euergetes I., dem Folgejahr des Erlassjahres des Kanopus-Dekrets. Nach heutiger Zeitrechnung fand diese Grundsteinlegung am 23. August des Jahres 237 v. Chr. statt (nach Dieter Arnold). In einer Inschrift des Tempelgebäudes heißt es:„Dieser schöne Tag im 10. [Regierungsjahr], (Tag) 7 des Monats Epiphi zur Zeit der Majestät [des Sohnes] des Re (Ptolemaios III. Euergetes I.) war der Tag des Senut-Festes, als man die Ausmaße (des Baues) auf dem Erdboden festlegte, (es) war das erste aller Senut-Feste anläßlich des Strickespannens bei der Gründung des Großen-Sitzes-des-Re-Harachte (Edfu), der Gründung des Thronsitzes-des-Schützers-seines-Vaters (Edfu). Der König selbst und die Göttin Seschat, die Große legten den Grundriß des Ersten-Heiligtums (Edfu) fest; die richtige Lage seiner Räume wurde bestimmt von den Göttern des Schöpfungswortes gemeinsam mit dem Herrn der Hedenpflanze (Thot), die Chnumgötter begannen zu formen, Ptah bildete und die erste Urgötterschaft war in Jubel ausgebrochen rings umher. […] Dekoriert wurden die Wände in seinem Inneren aufs vortrefflichste mit Reliefs, mit den Figuren der Götter und den Bildern der Göttinnen sowie mit (all) der Pracht des Herrlichkeit-Schaffenden (Edfu).

Eine weitere Tempelinschrift, angebracht auf dem Naos des Tempels, schreibt Imhotep, Sohn des Ptah, die Anregung zu dem Projekt zu. Da Imhotep jedoch Wesir des Pharao Djoser war, des zweiten Königs der 3. Dynastie des Alten Reiches, der von um 2720 bis 2700 v. Chr. Ägypten regierte, scheint hier eine symbolhafte Inanspruchnahme vorzuliegen. Imhotep ist als Hohepriester des Ptah und erster großer Baumeister des Alten Reiches in die Geschichte eingegangen, verantwortlich für die Errichtung der Djoser-Pyramide. Als solcher wurde er durch spätere Architekten als ein mythischer Vorgänger verehrt, der im Neuen Reich sogar in Memphis und Theben als göttlich verehrter Sohn des Gottes Ptah galt. Die Zuschreibung des Tempels von Edfu sollte vermutlich die Gewähr für ein perfektes Bauwerk geben.Der Nachfolger Ptolemaios IV. erbaute 212 v. Chr. das Allerheiligste im Tempel. In seinem 16. Regierungsjahr (206 v. Chr.) wurden nach Fertigstellung der Doppeltüren kurz vor deren Einhängen in die Tore weitere Tätigkeiten durch die Herrschaft der Gegenkönige Harwennefer sowie Anchwennefer und den damit verbundenen Unruhen unterbrochen. Ptolemaios VI. nahm erst 176 v. Chr. den Bau wieder auf. Im Jahr 147 v. Chr. wurde der eigentliche Tempel unter Ptolemaios VII. fertiggestellt. Die Weihung des Heiligtums erfolgte am 10. September 142 v. Chr. durch Ptolemaios VIII. Nachfolgend kam es zu weiteren Arbeiten am Gebäudekomplex, wie die Vorverlegung des Pronaos, der Vorhalle (140 bis 124 v  Chr.), und in den Regierungszeiten Ptolemaios IX. und Ptolemaios X. die Errichtung des Säulenhofs mit dem davor aufragenden Pylon (116 bis 71  v. Chr.). Im 25. Regierungsjahr von Ptolemaios XII. wurden die Arbeiten am 5. Dezember 57 v. Chr. nach insgesamt 180 Jahren Bauzeit mit der Fertigstellung der Reliefs auf dem Pylon beendet.

Der Tempel von Edfu war in ptolemäischer Zeit ein Ort wichtiger Feste zu Ehren der Götter des Horuskults. Neben dem Neujahrsfest feierte man hier jedes Jahr die Hochzeit des Horus von Edfu (Hor-Behdeti) mit der Hathor von Dendara (Hut-Hor-Iunet) sowie das Fest des Sieges von Horus über Seth aus dem Osiris- und Horusmythos. Im Tempel wurden auch lebende Falken in einem Vogelhaus, dem „Falkentempel“, aufgezogen, von denen man jährlich eines der Tiere im Tempelhof krönte und zum lebendigen Symbol des Horus machte. Von dem Vogelhaus sind keine Spuren mehr erhalten.Die Inschriften des Edfu-Tempels sind für die Philologie von großer Bedeutung, da sie zu den größten zusammenhängenden Sammlungen von hieroglyphischen Texten der griechisch-römischen Zeit gehören. Seit 1986 übersetzt das Hamburger Edfu-Projekt diese Inschriften. Bislang sind in deutscher Sprache die Texte des Pylonen sowie der Außenseite der Umfassungsmauer publiziert.

Der Tempel von Edfu ist in seiner Nord-Süd-Ausrichtung 137 Meter lang und an der Pylonenfront 79 Meter breit. Ursprünglich war die Außenmauer des Tempels komplett von einer durch einen nach oben offenen Gang getrennten Ziegelmauer umgeben, die heute noch teilweise erhalten ist. Der 36 Meter hohe Pylon am südlichen Tempeleingang besteht aus zwei massiven, aber innen auf vier Ebenen mit Räumen begehbaren Türmen, die das Hauptportal einrahmen.Beidseitig des Portals sind jeweils zwei senkrechte Aussparungen in der Fassade erkennbar, die der Aufnahme von Fahnenstangen mit aufgepflanzten Standarten dienten. Zwischen ihnen befinden sich auf beiden Seiten je ein Relief des Hauptgottes des Tempels Hor-Behdeti („Horus von Edfu“) und seitlich zum Portal ein kleineres Relief der Göttin Hut-Hor-Iunet („Hathor von Dendara“), einer lokalen Form der Göttin Hathor des Ortes Dendara 130 Kilometer nördlich von Edfu. Die Götter blicken nach außen auf zwei Großreliefs an jeder Fassadenseite, wo ihnen der Pharao Ptolemaios XII. (Neos Dionysos) Gefangene als Opfer darbringt. Vor dem Pylon stehen rechts und links des Tempeleingangs zwei Falkenstatuen aus schwarzem Granit. Diesen Horusdarstellungen fehlen heute ihre Kronen, die eine ähnliche Statue im Innenhof des Tempels noch trägt.Nach Durchschreiten des Portals erreicht man den Vorhof des Tempels, eingefasst von 32 Säulen, die an den drei Seiten im Osten, Süden und Westen Kolonnaden bilden. Die Säulen haben unterschiedliche Kapitelle, doch gleichen sich die der einander gegenüberliegenden Säulen in ihrer Form. Die Innenseite des Pylonen ist über der südlichen Säulenreihe wie dessen Fassade mit Reliefs geschmückt. Der Vorhof, auch „breiter Hof der Trankopfer“ genannt, weist vom Tempeleingang bis zum Pronaos eine Länge von 49 Metern und in Ost-West-Richtung eine Breite von 42,6 Metern auf.An der Nordseite des Hofes bietet der in der Mitte zwischen sechs Säulen befindliche Eingang zum Pronaos, der Vorhalle, Zugang zum eigentlichen Tempelgebäude. Die neben dem Eingang befindlichen Säulenzwischenräume sind mit Interkolumnien-Mauern verschlossen, die etwa die halbe Höhe der Säulen erreichen und mit Reliefs verziert sind. Auf der linken Seite vor dem Eintritt in das Gebäude steht die schon oben erwähnte, mit der Doppelkrone Ober- und Unterägyptens versehene Statue eines Falken, gefertigt ebenso wie die beiden Statuen vor dem Pylon aus schwarzem Granit. Rechtsseitig liegen auf dem Boden die Reste einer zweiten gleichartigen Statue.

Quelle: Wikipedia